Ärger am Flughafen Köln/Bonn

Neue Konkurrenz in Köln/Bonn

Mit dem Frühling beginnt auch wieder die europäische Reisesaison mit zahllosen Städtetrips und den ersten Strandurlauben in den Urlauberhochburgen am Mittelmeer. Auch die Airlines bereiten sich mit neuen Sommerflugplänen auf die kommende Hochsaison vor und passen ihre Angebote der Nachfrage an.

Aufsehen erregte wieder einmal der irische Billigflieger Ryanair – aber diesmal ausnahmsweise nicht mit einer neuen schrillen Gebühr, sondern mit der Ankündigung, ab Mai von Köln/Bonn aus Richtung Palma de Mallorca und Girona an der Costa Brava zu starten.

Ryanair war sonst immer dafür bekannt, Flughäfen in der tiefsten Provinz zu nutzen, wo sie üppige Subventionen einstreichen konnten, während die Gebühren bei Null lagen. In Nordrhein-Westfalen hatte Ryanair es sich in Weeze gemütlich gemacht, einem ehemaligen britischen Fliegerhorst am Niederrhein, einen Katzensprung von der niederländischen Grenze entfernt.

Neben Ryanair bieten Urlaubsflieger wie Airberlin, Germania, Tailwind und Transavia Flüge zu insgesamt 45 Zielen vor allem am Mittelmeer, die von deutschen und niederländischen Fluggästen im gleichen Maße genutzt werden. Neben Hahn im Hunsrück ist Weeze der zweitgrößte deutsche Standort für Ryanair. Daran änderte auch die Einführung der neuen Fluggaststeuer in Deutschland nichts, wegen der die Iren schmollend mit Weggang gedroht hatten.

Germanwings fürchtet Konkurrenz durch Ryanair

Dass sich Ryanair nun im verkehrstechnisch wesentlich günstiger gelegenen Flughafen Köln/Bonn einnistet, stimmt nicht nur die Flughafenbetreiber in Weeze nachdenklich. Empört reagierte auch der Köln/Bonner Platzhirsch Germanwings, die Billigflug-Tochter der deutschen Lufthansa. Als eine der wenigen deutschen Low Cost-Airlines überhaupt überlebte Germanwings den großen Kahlschlag der letzten Jahre, dem viele andere Billigflieger zum Opfer fielen und hat sich in Köln/Bonn als feste Größe etabliert. Ein ganzer Terminalbereich wurde extra für Germanwings umgebaut und neben den beliebten Urlaubszielen am Mittelmeer setzte die Airline zunehmend auch auf „exotische“ Ziele wie Pristina im Kosovo, Sarajevo in Bosnien oder die rumänische Hauptstadt Bukarest, die vor allem von Geschäftsreisenden und für Familienbesuche genutzt werden. Zuletzt sprang man auf den „Nordafrika-Zug“ auf und bot neue Verbindungen in die marokkanische Trendmetropole Marrakesch oder in die tunesische Hauptstadt Tunis an.

Das Germanwings hinter dem Ryanair-Start in Köln/Bonn nun einen „Angriff auf die Lufthansa-Familie“ wittert, wirkt befremdlich, denn mit der Handvoll Flüge nach Palma und Girona werden die Iren dem Platzhirsch mit seinen 75 Verbindungen kaum Konkurrenz machen können. Flughafenchef Garvens, der versichert, man hätte Ryanair nicht die üblichen Extrawürste gebraten, auf die die Iren sonst setzen, will damit vor allem die Verluste durch weggefallene AirBerlin-Verbindungen ausgleichen und die Passagierzahlen in Köln/Bonn stabil halten.

Letztendlich liegt es an Germanwings selbst, ob sie es verstehen, Passagiere in ihre Flieger nach Mallorca zu locken, z.B. indem sie auf die vielen unverschämten Gebühren verzichten, die Ryanair ihren Passagieren reinwürgt und auf besseren Service: Konkurrenz belebt das Geschäft.

©Foto: Fotolia – Mark1306

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