Bald sind die Narren wieder los

Die "jecke" Zeit beginnt

Für die einen ist es die schönste Zeit des Jahres, für die anderen der blanke Horror: Die Rede ist vom Karneval, auch gerne Fasching oder Fastnacht genannt. Obwohl die „Fünfte Jahreszeit“ offiziell bereits am 11.11. des Vorjahres um 11.11 Uhr beginnt, geht es erst nach der Weihnachtszeit im neuen Jahr mit zahllosen Sitzungen und Partys los, ehe vom Altweiberdonnerstag bis zum Veilchendienstag der Straßenkarneval im Freien gefeiert wird. Wer die Nase über den Karneval rümpft, sollte sich vor Augen halten, dass die heutige Form des Straßenkarnevals, die sich immer häufiger im besinnungslosen Alkoholrausch ausdrückt, ein Phänomen der Neuzeit ist, die mit den uralten Traditionen dieses Festes wenig zu tun haben.

Die Geschichte des Faschings

Schon vor tausenden Jahren feierten die Menschen das Ende des Winters mit einem rauschenden mehrtägigen Fest, bei dem die winterlichen Dämonen mit Masken, Tanz und lauter Musik vertrieben wurden. Im alten Griechenland feierte man das Fest zu Ehren des Weingottes Dionysius, im alten Ägypten zu Ehren der Göttin Isis. Auch aus dem Mittelalter sind Karnevalsbräuche überliefert, die an den modernen Fasching erinnern: So wurden bereits damals die mächtigen Kleriker und die Fürsten von „Narren“ verspottet. Im Zuge der Reformation wurde auch der Fasching in den reformierten Ländern abgeschafft und so ist es wenig verwunderlich, dass sich die Karnevalstraditionen in Deutschland vor allem in den katholischen Bundesländern im Süden und im Westen erhalten haben. Hier wurden sie auch genutzt um gegen fremde Besatzer zu rebellieren: In Köln wurden an den Karnevalstagen die Preußen verspottet (auch wenn diese den Kölnern nach 600 Jahren endlich ihren Dom fertig gebaut hatten) und in Mainz wurden die Franzosen aufs Korn genommen. Was wiederum Napoleon so ärgerte, dass er den Mainzern die Fastnacht kurzerhand verbot.

Doch auch in anderen Ländern blieben die mittelalterlichen Narrenfeste in der Neuzeit erhalten: Der legendäre Karneval von Venedig ist beispielsweise ein letztes Überbleibsel der italienischen Faschingsfeiern aus dem Rokoko, als derartige Maskenbälle in ganz Italien und darüberhinaus gefeiert wurden, die ihre Inspiration von der Commedia dell’Arte nahmen. Während in Frankreich, Spanien und Portugal der Karneval heute nur noch vereinzelt gefeiert wird, beispielsweise in Nizza und auf der Kanareninsel Teneriffa, nahmen Auswanderer die Bräuche mit in die Neue Welt, wo der Karneval heute vor allem in Brasilien und in der Karibik ausgiebig gefeiert wird. Die großen Paraden von Rio de Janeiro sind in der ganzen Welt bekannt. In den USA hat sich der Karneval lediglich im berühmten „Mardi Gras“ des ehemals französischen New Orleans etabliert – als großes Kostümfest gilt den Amerikanern eher Halloween am 31.Oktober.

Karnevalstraditionen leben weiter

Es ist in gewisser Weise schade, dass ausländische Bräuche wie Halloween auch in Deutschland immer mehr Anhänger finden, die eigenen uralten Traditionen wie Karneval dagegen verpönt sind. Während die Probleme durch den übermäßigen Alkoholkonsum vor allem in den großen Karnevalsstädten wie Köln und Düsseldorf nicht von der Hand zu weisen sind, finden sich doch in zahllosen kleineren Städten und Dörfern noch immer die alten Karnevalstraditionen, die von Musik, Tanz und aufwändig gestalteten Kostümen und Festwagen geprägt sind. Wer sieht, wieviel Arbeit in den selbstgebauten Festwagen, die gerne Politik und Gesellschaft auf die Schippe nehmen, steckt und in den selbstgenähten Kostümen, wird auch erkennen, dass Karneval weit mehr ist als nur „fünf Tage auf Knopfdruck fröhlich sein“. In dem Sinne: Allen Narren und Närrinnen ein herzliches Alaaf! oder Helau!

Foto: ©fotolia-pirotehnik

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