Die Sturmflutnacht von Hamburg

Land Unter in Wilhelmsburg

In diesen Tagen gedenken die Hamburger wieder den Opfern der großen Sturmflut, die vor genau 50 Jahren 340 Menschen das Leben kostete. In der Nacht vom 16. auf den 17.Februar 1962 brachen bei einem schweren Sturm an der Nordsee die Deiche, bei der auch die Orte an den Flussmündungen der Elbe und Weser schwer betroffen waren. Hamburg traf es dabei am Schlimmsten.


Die Sturmflut von 1962 ließ Erinnerungen an die nur neun Jahre früher eingetretene Flutkatastrophe in den Niederlanden, die als schwerste Nordsee-Flutkatastrophe des 20.Jahrhunderts gilt. In der Nacht vom 31.Januar zum 1.Februar 1953 wurden große Teile der südlichsten holländischen Provinz Zeeland überschwemmt und machten zehntausende Menschen obdachlos. In den Niederlanden waren 1835 Tote zu beklagen und auf der anderen Seite des Kanals in Großbritannien 307 Tote. Das weiter nördlich gelegene Deutschland war recht glimpflich davongekommen und musste keine Toten beklagen, doch auch an der deutschen Nordseeküste wurden in Folge der Katastrophe viele Deiche erhöht und verstärkt – leider jedoch nicht an den Ufern der Flüsse. So hielten zwar die Seedeiche der Sturmflut 1962 stand, doch vor allem an der Unterelbe in Hamburg brachen die Deiche und setzten die flussnahen Stadtteile unter Wasser.

Obwohl das Radio bereits am 15.Februar eine Sturmwarnung herausgab und auch eine Sturmflutwarnung bestand, überraschte die tatsächlich eintretende Sturmflut die Hamburger größtenteils im Schlaf. Besonders betroffen war der Stadtteil Wilhelmsburg der dem Stadtzentrum gegenüber auf der Südseite der Elbe liegt, und in dem insgesamt 222 Menschen ums Leben kamen. Auch der Hamburger Hafen und ein Teil der Innenstadt bis zum Rödingsmarkt und der Alster standen unter Wasser. Fast könnte man von Glück sprechen, weil sich die Fluten Richtung Süden nach Harburg hin ergossen und nicht nach Norden hin über die dicht bevölkerte Innenstadt.

Der Hamburger Hafen heute

Als direkte Folge der Sturmflut wurde der überschwemmte westliche Stadtteil Waltershof als Wohnort aufgegeben und nur noch als Standort für Hafen- und Industrieanlagen genutzt. Hier entstanden unter anderem die imposante Köhlbrandbrücke (1974) und die südliche Zufahrt des Elbtunnels, der zur A7 gehört. Auch wurden überall die Deiche auf bis zu 8,50 Meter erhöht. Auch wurden Teile der weitverweigten Elbarme in Hamburg eingedeicht und einbetoniert.Mehrere Gedenktafeln und –steine erinnern auf dem Stadtgebiet an die Flutkatastrophe, darunter in Nienstedten beim Anleger Teufelsbrück.

Der Hamburger Hafen ist seit jenen Tagen kaum wiederzuerkennen. Im Hafengebiet am Nordrand von Wilhelmsburg amüsieren sich jeden Abend die Musicalbesucher bei Disneys „König der Löwen“ und schräg gegenüber ist am Nordufer der Erbe das gigantische Projekt Hafencity entstanden. Hier sind hinter der schön restaurierten Speicherstadt zahlreiche hochpreisige Apartmentanlagen mit Bars und Restaurants entstanden, in denen gutbetuchte Hamburger den Elbeblick genießen können. Prunkstück der neuen Hafencity soll der neue Konzertsaal Elbphilharmonie werden, der sich für den Hamburger Senat bislang jedoch eher als Millionengrab erwiesen hat.

©Foto: Privatarchiv Gerhard Pietsch/Wikimedia Commons

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