Gezeichnete Romane statt Comics: Erlanger Comic Salon eröffnet

Während Comics in Ländern wie Frankreich, Belgien oder den USA schon lange eine eigenständige Literaturgattung sind, wurden sie in Deutschland lange Zeit nur belächelt. Das Problem liegt schon im Namen: „Comic“ ist eher gleichzusetzen mit den kurzen Comic-Strips, die seit vielen Jahren in Tageszeitungen und Illustrierten veröffentlicht werden und die so unsterbliche Figuren wie Garfield, Hägar und die Peanuts hervorgebracht haben. Auch Comic-Hefte und Comic-Bücher richten sich in Deutschland zu aller erst an Kinder: Ob es Disneys leichtgewichtigte Büchlein über Micky Maus und Donald Duck sind, französische Importe wie Asterix und Lucky Luke oder deutsche Eigenwerke wie Fix und Foxi.

In Frankreich ist dies ganz anders: Hier heißen Comic-Bücher Bandes dessinées – gezeichnete Romane – und gelten als eigenständige Genres, die in Buchhandlungen ganze Abteilungen für sich vereinnahmen. Die Auswahl ist dabei riesig: Natürlich gibt es auch hier Werke, die sich vor allem an Kinder richten, doch dazu kommt eine Vielzahl kunstvoll gestalteter Abenteuerromane aus allen möglichen Epochen vom alten Ägypten über die Zeit des Sonnenkönigs bis in die heutige Zeit, die nicht nur von Kindern, sondern vor allem auch von Jugendlichen und Erwachsenen verschlungen werden. Auch geben sich die Bandes dessinées gerne politisch, wenn sie wie die Reihe „Les aventures de Sarkozix“ den (nun nicht mehr) amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy satirisch aufs Korn nehmen oder wie die preisgekrönten „Chroniques de Jerusalem“ von Guy Delisle einen ausgesprochen tiefsinnig-lakonischen Blick auf den alltäglichen Wahnsinn im Heiligen Land werfen. Manche Romane, wie „Persepolis“ der Iranerin Marjane Satrapi, wurden sogar erfolgreich verfilmt und gelangten so auch in Deutschland zu Aufmerksamkeit.

Dank der vielen Hollywood-Verfilmungen sind auch amerikanische Graphic Novels wie die vielen Superhelden aus dem Haus Marvel in Deutschland angekommen, wenngleich sich neben Klassikern wie „Spiderman“ so manche andere Superheld wie „Captain America“ mit seinem überbordenden Patriotismus der Amerikaner im Ausland schwer tut.

Nicht zu vergessen der Comic-Kult aus Japan: Mangas und ihre engen Verwandten, die Animé-Zeichentrickfilme, sind auch in Europa immer beliebter geworden. Auch hier ist die Bandbreite von bunten leichtgewichtigen Schülergeschichten für Teenager bis zu düsteren Endzeitvisionen riesig. Werke wie „Naruto“, „Dragonball“, „One Piece“ und „Fullmetal Alchemist“ wurden weltweit viele Millionen Mal verkauft und die quietschigen Gestalten von Pokemon gehören heute ebenso zum Kulturgut wie Micky Maus und Asterix.

Immerhin ändert sich die Lage langsam und nicht nur die „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ sind mittlweile in deutscher Übersetzung erschienen. Wenn in diesen Tagen der 15.Erlanger Comic Salon stattfindet, stellen auch deutsche Zeichner immer mehr Romane für Erwachsene vor. Der Berliner Arne Jysch hat beispielsweise den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr aufs Korn genommen und mit „Wave and Smile“ sein erstes Buch vorgelegt. Jysch war bislang als Storyboarder für Film und Fernsehen tätig und selbst nicht als Soldat in Afghanistan, doch für seinen gezeichneten Roman arbeitete er eng mit der Bundeswehr zusammen.

Apropos „gezeichneter Roman“: Wie schwer sich Deutschland mit diesem Genre tut, zeigt auch die Tatsache, dass niemandem eine passende deutsche Bezeichnung einfällt. So ist man mittlerweile wie heute so üblich dazu übergegangen, einfach die englische Bezeichnung „Graphic Novel“ zu verwenden. Dies ist immerhin ein großer Schritt nach vorne gegenüber dem Ausdruck „Comics“. Mal sehen ob das nun in Erlangen vorgestellte neue Fachmagazin „Alfonz“ dabei helfen wird, den gezeichneten Romanen in Deutschland zu der Akzeptanz zu verhelfen, die sie verdient haben.

©Foto: Redline1980/Fotolia

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