Hamburg Leuchtfeuer – Unternehmen Menschlichkeit

Die Hamburger Hilfsorganisation Hamburg Leuchtfeuer entstand in den frühen 90’er Jahren als Reaktion auf die Tatsache, dass es in der Hansestadt noch immer keine angemessenen Betreuungsmöglichkeiten für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke gab. Obwohl das Bewusstsein dafür, dass eine AIDS-Erkrankung jeden treffen konnte, allmählich angestiegen war, galt die Krankheit noch immer als ein Randgruppen-Problem, das vor allem Homosexuelle, Prostituierte und Drogensüchtige betraf. Eben jene Menschen, die keine Lobby bei der Allgemeinheit haben.

Der erste Schritt der Entwicklung für Hamburg Leuchtfeuer war 1995 die Gründung einer Psychosozialen Betreuung für Menschen mit HIV und AIDS, an die sich Betroffene mit ihren Sorgen und Problemen wenden können. Leuchtfeuer hilft diesen Menschen auch bei der Wohnungssuche, die für viele aufgrund der Vorbehalte der Vermieter ein großes Problem darstellte, sowie bei Behördengängen und Arztbesuchen. Vor allem werden jedoch Einzelgespräche mit ausgebildeten Betreuern angeboten, die den Betroffenen helfen können, mit dem Urteil “HIV-positiv” umzugehen und das Leben entsprechend zu planen.

Im zweiten Schritt eröffnete die Hilfsorganisation 1998 in einem Nebengebäude des ehemaligen israelitischen Krankenhauses in St.Pauli ein Hospiz für AIDS-Kranke, die stationäre Betreuung benötigten. Seit einigen Jahren steht das Hospiz auch Menschen mit andernen schweren unheilbaren Krankheiten offen. In elf möbilierten Einzelappartments, die in einem dreigeschossigen Altbau in ruhiger Innenhoflage können die Bewohner ihren langsamen Abschied vom Leben in Würde und Ruhe beginnen. Alle Appartments sind behindertengerecht ausgestattet und besitzen ein eigenes Duschbad, Telefonanschluss und Fernsehen. Weiterhin ist es Familienangehörigen und Freunden möglich, auf einem Gästebett die Nacht im Appartment zu verbringen. Pflegepersonal und sozialpädagogische Betreuer helfen den Betroffenen und ihren Familien durch die schwere Zeit.

Im dritten Schritt eröffnete Hamburg Leuchtfeuer im Jahr 2007 das Lotsenhaus, ein Ort für Trauer und Abschied. Hier können sich trauernde Menschen zum Austausch und gegenseitigem Aufbauen treffen und Menschen, die beruflich oder privat mit Trauerfällen konfrontiert werden, Beratung im Umgang damit erhalten. Selbstverständlich steht auch Bestattungshaus zur Verfügung, in dem Trauerfeiern stattfinden können – ganz nach den individuellen Wünschen des Verstorbenen. Abgerundet wird das Angebot im Lotsenhaus in Hamburg-Altona von kulturellen Veranstaltungen die sich den Themen Trauer, Verlust und Abschiednehmen widmen, darunter Vorträge, Workshops und Fortbildungen.

Zu den Förderern von Hamburg Leuchtfeuer gehören u.a. Olaf Scholz, der Bürgermeister der Hansestadt, der Hamburger Modedesigner Wolfgang Joop, Ballettdirektor John Neumeier und Corny Littmann, Intendant des Schmidt Theaters in St.Pauli und ehemaliger Vorsitzender des Fussballvereins FC St.Pauli. Insgesamt beschäftigt die Hilfsorganisation heute 45 hauptamtliche und 70 ehrenamtliche Mitarbeiter und benötigt pro Jahr etwa 500.000 Euro an Spendengeldern, die vor allem durch private Spender und Benefiz-Aktionen im Raum Hamburg zusammenkommen.

Bild: © ultrakreativ – Fotolia.com

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