Biosphärenreservat Spreewald – urzeitliche Flusslandschaft mitten in Europa

Wenn man im Juli und August kurz nach Sonnenaufgang die Wälder und zahllosen Flussläufe des Spreewaldes mit dem Kanu erkundet, dann liegt ein Hauch von Südstaatenromantik in der Luft, denn der über den Niederungen hängende Nebel und die fast exotisch hallenden Vogelrufe erinnern um diese Tageszeit noch an die weiten und geheimnisvollen Sümpfe Louisianas.

Das ändert sich im Laufe des Vormittags: Längst ist der Spreewald kein Geheimtipp mehr und aus den bei den Feriengästen beliebten Städtchen Burg und Lübbenau kommen die Naturliebhaber, Wanderer und Radfahrer, um die Schönheiten des Biosphärenreservats für sich zu entdecken. Wer eine der legendären Kahnfahrten durch die Hochwälder genießen möchte, hat die Wahl zwischen zweistündigen bis halbtägigen Touren mit oder ohne Gaststättenaufenthalt. Das Biosphärenreservat Spreewald liegt circa 100 Kilometer südöstlich von Berlin – ein also nicht nur für die Hauptstädter ideales Ziel für einen Kurzurlaub.

Wo sich Seeadler und Fischotter Gute Nacht sagen

Über eine Fläche von 470 Quadratkilometern erstreckt sich der 1991 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannte Kern des Spreewaldes, den ein insgesamt 1570 Kilometer langes Netz an Wasserläufen durchzieht. Die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Kernzone nimmt etwa zwei Prozent des Spreewaldes ein, besteht zum großen Teil aus unberührten Wäldern und ist zum Zweck der Erhaltung der Ökosysteme für die Allgemeinheit gesperrt. Hier steht vor allen Dingen der Artenschutz im Vordergrund. Man schätzt, dass im Biosphärenreservat Spreewald etwa 18.000 Tier- und Pflanzenarten beheimatet sind, darunter auch vom Aussterben bedrohte Spezies. Mit über 800 Schmetterlingsarten, 36 Fischarten, und etwa 130 Brutvogelarten zählt das Biosphärenreservat zu den in Deutschland wichtigsten Naturschutzgebieten und mit etwas Glück kann man im Spreewald wieder Bieber und Fischotter, Seeadler und Kraniche bewundern.

Der Spreewald – Relikt aus der Eiszeit

Die in Mitteleuropa einmalige Landschaft bildete sich vor etwa 10.000 Jahren nach dem Ende der Eiszeit. Das weite Tal war durch das oft überflutete Binnendelta des Hauptflusses geprägt. Die abgefallenen Blätter der Laubbäume vertorften mit der Zeit, wodurch die für die Landschaft typischen Moore entstanden. Das weit verzweigte Wurzelwerk trug mit seiner bremsenden Wirkung dazu bei, dass die Hauptwasseradern tiefer und breiter wurden. Nach einer kurzen Zeit der Besiedelung und Bodenkultivierung vor 3.000 Jahren durch die Slawen verwilderte der Spreewald wieder, bis im Hochmittelalter die höher gelegenen und grundwasserfernen Randgebiete rund um die riesige Sumpffläche erneut bebaut wurden. Erst im 18. Jahrhundert begann man in der Mitte des Spreewaldes mit der Entwässerung der Moorflächen, um die fruchtbaren Auen landwirtschaftlich zu nutzen.

Kultiges aus der Neuzeit – Spreewaldgurken und Spreewaldmarathon

Die seit 1999 unter ihrem Markennamen geschützte „Spreewälder Gurke“ gehört zu den beliebtesten Exportschlagern der Region. Warum die Gurken ausgerechnet im Spreewald so gut gedeihen liegt zum einen am Klima und zum anderen am nährstoffreichen Humusboden. Der typische Eigengeschmack des in aller Welt begehrten eingelegten Gemüses wird in Kombination mit noch weiteren Aromen durch die Zugabe von Zitronenmelisse und Basilikum erreicht, wobei jede Einlegerei ihre Rezeptur wie ein Staatsgeheimnis hütet. Der seit 2003 stattfindende Spreewald-Marathon führt mitten durch das Biosphärenreservat und ist zugleich eine Huldigung an die würzig aromatische Delikatesse. Entsprechend humorvoll lautet das Motto des sonntäglichen Rundlaufes im April: „Auf die Gurke, fertig, los!“

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