Weiß ist der Sand – Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland

„Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand: Das sind die Farben von Helgoland.“ Das dreifarbige Wappen der Insel stammt bereits aus dem Jahr 1696 und basiert auf einer noch älteren Schifffahrtsflagge. Dafür, dass Helgoland eigentlich nur ein aus der Nordsee herausragender kleiner Felsen ist, blickt das Eiland auf eine recht lange und wechselvolle Geschichte zurück. Auf noch nicht einmal zwei Quadratkilometern konzentrieren sich auf der Hauptinsel sowie auf der kleineren Badeinsel „Düne“ ein Flugplatz, ein Campingplatz, mehrere Badestrände, Vogelwarte, Museum und Aquarium, die bunten Hummerbuden, eine Jugendherberge, etliche Hotels, Pensionen und Ferienhäuser mit insgesamt 2.000 Betten, zahlreiche Restaurants und Souvenirshops – und natürlich viel Natur inklusive der 47 Meter hohen „Langen Anna“.

Das vom Golfstrom beeinflusste Seeklima sorgt selbst im Hochsommer für gemäßigte 20°C, während die Thermometeranzeige im Winter kaum unter 5°C sinkt. Durch die pollenarme Luft ist Helgoland ein idealer Kurort vor allem für Allergiker. Das mitten in der Deutschen Bucht gelegene rund 70 Kilometer vom Festland entfernte Seebad gilt als Deutschlands einzige Hochseeinsel.

Bewegte Vergangenheit Helgolands – Trias, Tertiär und Territorialansprüche

Dabei gehört Helgoland erst seit kurzer Zeit zum deutschen Territorium. Davor nannten Dänen und Briten den seltenen Felsen aus Buntsandstein ihr Eigen. Vor 260 Millionen Jahren lag das Gebiet der Insel im Einflussbereich des Urkontinents Pangaea. Das damals noch heiße Klima führte durch die starke Wasserverdampfung zur Ablagerung von Kalken und Salzen. In der tropischen Phase des Erdmittelalters, dem Trias, bildete sich der für Helgoland typische rote Sandstein durch die so genannte lateritische Verwitterung – der Oxydation von Eisen und Aluminium. Aufgrund dieser Verwitterung weisen die oberen Erdschichten sämtlicher tropischen Landschaften im Übrigen ihre typische Rotfärbung auf.

Mit der Drift nach Norden lag Helgoland für mehrere Jahrmillionen unter dem Meeresspiegel und verdichtete sich durch den Druck weiterer Sedimentablagerungen soweit, bis der Felsen im Tertiär mitsamt eines durch Druckausgleich entstandenen Salzkissens in die Höhe gehoben wurde – und das in Schräglage, was heute perfekt an den unterschiedlichen Gesteinsschichten zu erkennen ist, denn sie weisen eine sichtbare Neigung von etwa 20° auf. Sicher ist, dass Helgoland früher noch mit dem Festland verbunden war. Man vermutet, dass mit dem Anstieg des Meeresspiegels die Verbindung vor etwa 7.000 Jahren überflutet wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Helgoland bereits bewohnt, was insbesondere durch Hügelgräber und Werkzeugfunde auf dem Oberland untermauert wird.

Die Eiszeit hatte der Insel den letzten Schliff verpasst, während sich die Steilküste mitsamt der „Langen Anna“ infolge der Meeresbrandung herausbildete. Bereits im vierten vorchristlichen Jahrhundert erhielt der schroffe Felsen seinen ersten Namen: Abalus. Der griechische Handlungsreisende und Gelehrte Pytheas von Massilia hatte um diese Zeit die Nordsee und ihre Küsten erkundet, wobei er unter anderem auf unser späteres Seebad gestoßen war. Seit dem 7. Jahrhundert wurde Helgoland von den Friesen besiedelt, deren beschauliches Inselleben mitunter durch Piraten gestört wurde.

Ab dem 12. Jahrhundert fiel das Eiland unter die Herrschaft der dänischen Krone, bis 1807 die Briten die Insel für sich vereinnahmten. Durch den „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ wurde der begehrte Felsen 1890 schließlich deutsch. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Briten 1947, Helgoland durch eine gewaltige Detonation förmlich in die Luft zu sprengen – allein die unnachgiebigen Felsschichten hielten der noch auf dem Festland sichtbaren Explosion stand. 1950 starteten ausgerechnet Studenten aus Heidelberg den Rettungsversuch Helgolands. Mit ihrer Besetzung demonstrierten sie gegen weitere Bombardierungen zu militärischen Übungszwecken – mit Erfolg: Am 1. März 1952 gab Großbritannien die Insel zurück an die Bundesrepublik Deutschland. Seitdem ist für die zurückgekehrte Bevölkerung Helgolands der 1. März ein Feiertag.

Vom Ausbooten und von Autoverboten

Heute merkt man der idyllischen Insel die dramatische Vergangenheit kaum an: Tausende Seevögel nisten am großen Lummerfelsen im Norden, als ob es kein Gestern gegeben hätte und vom Boot aus präsentiert sich die rote Steilküste mit der lange Zeit vom Einsturz bedrohten „Langen Anna“, als sei die Insel gänzlich unbewohnt.

Die berühmten farbigen Hummerbuden am Hafen wirken wie aus einem kleinen Südseeparadies entführt und wenn bei Einbruch der Dunkelheit der Lichtkegel des Leuchtturms den Horizont streift, kommt so etwas wie sentimentale Seefahrerromantik auf. Jedes Jahr zu Pfingsten erlebt Helgoland übrigens den ersten Besucherstrom der Saison, denn dann ruft die „Nordseewoche“ wieder zur einzigen deutschen Hochseeregatta auf, an der sich regelmäßig einige tausend Segelsportler beteiligen.

Wer Helgoland schon mit dem Schiff bereist hat, kennt das nur noch hier praktizierte Ausbooten. Während die Ausflugsschiffe vor dem Hafen auf „Reede“ liegen, eilen die Börteboote herbei, um die Touristen an Land zu bringen. Dies wird in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr möglich sein, denn per EU-Richtlinie wurde den Reedern bereits im Jahr 2007 die Auflage erteilt, ihre Schiffe umzurüsten, um direkt im Hafen anlegen zu können. Dabei ist das Ausbooten eine durchaus sichere Angelegenheit, denn jeder Passagier erhält beim Aus- und Einsteigen Hilfestellung von vier starken Seeleuten und den Touristen macht das kleine Abenteuer sogar richtigen Spaß.

Helgoland ist, bis auf wenige Ausnahmen wie Polizei, Zoll und Feuerwehr, auto- und fahrradfrei, was angesichts der wirklich kurzen Strecken natürlich Sinn macht. Vom Hafen im Süden bis zur „Langen Anna“ im Norden dauert selbst ein gemütlicher Spaziergang höchstens eine Stunde und angesichts der engen Gassen und des lebhaften Getümmels während der Hochsaison wäre jedes Auto Platzverschwendung, von der Verschmutzung der einzigartig gesunden Luft ganz zu schweigen. Aufgrund des zusätzlichen Fahrradverbots hat sich gerade auf Helgoland ein trendiger fahrbarerer Untersatz durchgesetzt: der Tretroller.

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 Responses are currently closed, but you can trackback.

Comments are closed.