Zum ESC am 26.05.: Baku meets Berlin

Kulturbrauerei Berlin

Aserbaidschan, das Gastgeberland des diesjährigen Eurovision Song Contest, ist nicht ganz unumstritten: Eine repressive Regierung, die nicht viel von Demokratie hält und die Diskriminierung von Homosexuellen (immerhin eine der größten Fangruppen des ESC) stehen dabei im Vordergrund der Kritik.

Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass es sich um Aserbaidschan nicht um eine triste Bananenrepublik der Dritten-Welt handelt, sondern um einen florierenden Kleinstaat, dessen Hauptstadt Baku häufig als „Dubai am Kaspischen Meer“ bezeichnet wird. Die Kulturbrauerei Berlin will mit dem Fest „Baku meets Berlin“ die kulturellen Schätze des Landes vorstellen.


Public Viewing-Events zum Eurovision Song Contest am kommenden Samstag gibt es natürlich viele in ganz Deutschland Am bekanntesten ist die große ESC-Party auf dem Hamburger Spielbudenplatz an der Reeperbahn, zu der jedes Jahr Liveschaltungen stattfinden. Dabei tummeln sich gewöhnlich nicht weniger als etwa 20.000 Besucher vor der Bühne, auf der bis zur Live-Übertragung aus Baku und nach dem Ende der Übertragung Live Acts einheizen.

Doch die Kulturbrauerei in Berlin hat sich etwas Besonderes einfallen lassen und verbindet das Public Viewing des ESC-Finales mit dem Fest „Baku meets Berlin“ . Hinter dem Fest im Kesselhaus steht das Azerbaijan Student Network e.V., in dem viele aserbaidschanische Studenten in Deutschland organisiert sind, die auf diese Art die Kultur ihres Landes präsentieren möchten. Dazu gibt es aserbaidschanische Snacks, Getränke und im Rahmenprogramm der Übertragung Live-Musik. Auch prominente Gäste haben sich angekündigt.

Unbekanntes Baku

Baku am Kaspischen Meer

Als Nikki & Eli im letzten Jahr in Düsseldorf den ESC-Sieg nach Aserbaidschan holten, wurde gerne spöttelnd gefragt, ob das Land überhaupt genügend Strom für eine Großveranstaltung habe. Die meisten dachten dabei wohl an die Tristesse, die sich bei Fußball-Live-Übertragungen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken bot, wenn Deutschland Qualifikationsspiele gegen Länder wie Georgien oder Moldawien austrug, bei denen in der Stadt der Strom abgestellt wurde, damit im Stadion die Flutlichtanlage funktionieren konnte. In Aserbaidschan liegt die Sache jedoch anders, denn das kleine Land am Kaspischen Meer besitzt Ölquellen. So zeichnet sich gerade die Hauptstadt Baku durch viele moderne Hochhäuser aus Glas und Stahl aus und trägt zu recht den Titel „Dubai am Kaspischen Meer“.

Doch Baku ist mehr als nur eine aus dem Boden gestampfte moderne Glitzerstadt mit heute 2 Millionen Einwohnern: Funde belegen, dass sich bereits 8000 v.Chr. eine erste Siedlung am Ufer des Kaspischen Meers befand, die im 12.Jahrhundert durch den aserbaidschanischen Schirwanschah (Herrscher) zur neuen Hauptstadt erwählt wurde. Als dieser Zeit stammen prächtige persisch anmutende Bauten wie der Palast der Herrscher, der Jungfrauenturm, die Karawansereien und eine Vielzahl von Moscheen. Die Altstadt von Baku zählt heute in ihrer Gesamtheit zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Aserbaidschan ist natürlich eher persisch-orientalisch geprägt als europäisch und über den Sinn und Unsinn der Teilnahme dieser Länder am EUROvision Song Contest kann vortrefflich gestritten werden – doch eines hat der diesjährige ESC ganz sicher schon erreicht: Baku ist im Guten wie im Schlechten auf einmal europaweit bekannt.

Wer wird gewinnen?

In der Crystal Hall von Baku

Noch spannender ist natürlich die Frage, wer den diesjährigen ESC gewinnen wird, nun dass alle Teilnehmer bekannt sind und ihre Lieder im Internet rauf und runter gehört werden können.

Favoritin ist die Schwedin Loreen mit ihrem Song „Euphoria“, doch wer sich an die letzten Jahre erinnert, weiß, dass Schweden eigentlich immer zu den Favoriten gehört und trotzdem nie ganz oben mitgespielt hat. Da wirken wohl noch immer die seligen ABBA-Zeiten im kollektiven Gedächtnis nach. Auch der rumänischen Band Mandiga mit „Zaleilah“, dem Serben Zeljko Joksimovic („Love is not a thing“), der Italienerin Nina Zilli („L’amore e femmina“) und der Griechin Eleftheria Eleftheriou („Aphrodisiac“) werden gute Chancen eingeräumt. Eine Outsider-Chance dürfte das Vereinigte Königreich haben, das den legendären Schnulzensänger Engelbert Humperdinck reaktiviert hat und mit „Love will set you free“ ins Rennen schickt. Ein Lied, dass der mittlerweile 76-jährige so überzeugend präsentiert, dass nicht nur seine alte Fans europaweit für ihn stimmen dürften.

Kein ESC ohne kuriose Freaks: So erregten die russischen Buranowkije Babuschki (die Omas aus Buranow) schon genügend Aufsehen und Österreich steuert mit „Woki mit deim Popi“ der Trackshittaz weiteren Nonsens bei, den es nur bei dieser Veranstaltung gibt.

Deutschlands Roman Lob liegt bei den Umfragen nur im Mittelfeld und von Lena-Euphorie ist auch hierzulande nichts zu spüren. Hoffen wir, dass es für den jungen Sänger nicht mit „Germany 0 Points“ endet.

©alle Fotos: Wikimedia Commons

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